Kommuniqué Iraqi Theatre, September 2006

Zum Abschluss des Festivals „Iraqi Theatre at home and away“ vom 19. bis zum 22. September 2006 in Berlin, verabschieden die Teilnehmer im Namen ihrer Institutionen folgendes gemeinsames Kommuniqué zur weiteren Kooperation. Ziel ist es, den kulturellen Dialog zwischen Kulturschaffenden in Europa und in Irak zu intensivieren.


Zur gegenwärtigen Situation der Irakischen Kultur

Die irakische Kultur hat eine starke Tradition moderner Theaterformen. Diese Tradition ist seit den siebziger Jahren durch Diktatur und Kriege stark angegriffen, aber noch lebendig.
Während es im sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bereich weitgehend institutionalisierte Aufbauhilfe für den Irak gibt, fehlt auf der kulturellen Ebene eine solche Struktur bisher.

Durch die Auswirkungen des Krieges und die gegenwärtigen politischen und sozialen Spannungen im Irak sind die Äußerungs- und Arbeitsmöglichkeiten für Künstler äußerst eingeschränkt und oft nur unter Gefährdung der eigenen Sicherheit möglich.
Eine Infrastruktur (Theater, technische Einrichtungen) existiert so gut wie nicht mehr.
Das einzige nicht zerstörte Theater ist derzeit das Nationaltheater in Bagdad.
Allerdings ist die Sicherheit in Bagdad besonders gefährdet.

Gerade in der gegenwärtigen Phase politischer und kultureller Neuorganisation ist aber das kulturelle Selbstverständnis und die Selbstreflexion der Menschen im Irak von besonderer Bedeutung.

Absichtserklärung

Wir wollen die Arbeit der irakischen Kulturschaffenden und die Entwicklung der kulturellen Infrastruktur insbesondere im Bereich der darstellenden Künste im Irak mit den uns als Personen, Institutionen und Netzwerken verfügbaren Mitteln unterstützen und fördern.

Wir planen eine weitere Veranstaltungsreihe des Festivals „Iraqi Theatre at home and away“ für den September 2007. Einen Schwerpunkt soll dabei die Begegnung und der Austausch zwischen jungen Künstlern aus dem Irak und aus Europa auch in gemeinsamen Workshop-Projekten bilden. Zusätzlich möchten wir den irakischen Künstlern Einblick in die Technik und Infrastruktur von Berliner Bühnen ermöglichen.

Mittelfristig streben wir an, irakischen Künstlern im Umfeld des Festivals Arbeits- und Studienaufenthalte in Europa zu ermöglichen.

Möglichkeiten der Förderung

Eine Förderung ist zur Zeit besonders in zwei Bereichen möglich und wünschenswert:

1. Theater- und Veranstaltungstechnik

Da kaum eine Infrastruktur für den Theaterbetrieb besteht, ist die Theaterarbeit im technischen Bereich nur sehr eingeschränkt möglich. Damit sind auch die Erfahrungs- und Studienmöglichkeiten im Bereich der Szenografie und Lichtdramaturgie unzureichend. Die Unterstützung mit Sach- und Finanzmitteln wäre in jedem Fall eine notwendige und sinnvolle Möglichkeit der Unterstützung.

2. Auslandsaufenthalte irakischer Künstler

Irakische Künstler haben in ihrem Heimatland derzeit kaum Möglichkeiten zu arbeiten oder ihre Arbeiten öffentlich zu zeigen. Um besonders darstellenden Künstlern die Arbeit zu ermöglichen und damit ermutigende und stabilisierende Impulse für die irakische Kultur zu schaffen, ist es deshalb dringend notwendig, diesen Künstlern das Arbeiten und die Präsentation ihrer Arbeit im Ausland zu ermöglichen.
Sinnvoll ist der Aufbau eines Netzwerkes zur Unterstützung von Auslandsaufenthalten irakischer Künstler und zur Schaffung von Gastspielmöglichkeiten und Studienaufenthalten.

 

Zur Vorbereitung dieser Unterstützung wurde im Abschlusskommuniqué eine Kommission benannt, welche die

- Vernetzung
- Ermittlung von Bedarfen, möglichen Förderern und Unterstützern sowie
- Ermittlung von förderungswürdigen Künstlern und Projekten

initiiert.

Die Mitglieder der Kommission sind:

-         Yasin Alnasayyir, Schriftsteller, Akad-Stiftung Den Haag, Niederlande
-         Yosef Al Aani, Theatermacher, Irak; Vertreter des ITI, Bagdad
-         Christoff Bleidt, Regisseur, Theaterhaus Mitte Berlin, Bundesrepublik Deutschland
-         Abduli Hame-Juan, Schauspieler, Suleymania, Irak
-         Aziz Khayon, Schauspieler, Mohtaraf-Theater, Bagdad,  Irak
-         Shamaly Abe Rash,  Schauspieler, Niederlande
-         Ahmed Salar; Irak, Vertreter des Verbandes der Theaterkünstler, Erbil
-         Gabriele Schohl, Kulturmanagerin, Theaterhaus Mitte Berlin, Bundesrepublik Deutschland
-         Ihsan Othmann, Regisseur, I.O.-Theater Berlin, Bundesrepublik Deutschland


Das Netzwerk gliedert sich in:

Europäische Partner
- Theaterhaus Mitte, Berlin
- Akad-Stiftung, Den-Haag, Niederlande
- DeutschlandMS Stubnitz, Rostock
- I.O.-Theater, Berlin

Irakische Partner
- Internationales Theaterinstitut (ITI) Bagdad
- Hochschule der Künste, Bagdad
- Verband der Theaterschaffenden/Erbil
- Salar-Theater, Erbil
- Mohtaraf-Theater, Bagdad


Teilnehmer am ersten Treffen und Unterzeichner des Kommuniqué:

1. Shuaadh Abdulla, Schauspielerin, Mohtaraf-Theater, Bagdad, Irak
2. Glüsha Arslan, freie Künstlerin, Autorin, Filmschaffende, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
3. Ibtesam M. Aziz, Schauspielerin, Mohtaraf-Theater, Bagdad,  Irak
4. Antje Hobucher, Schauspielerin, IO-Theater, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
5. Sara Karem, Schauspielerin, Bonn, Bundesrepublik Deutschland
6. Dr. Ikbal Naeem, Schauspielerin, Mohtaraf-Theater, Bagdad,  Irak
7. Dr. Awatif Naeem, Schauspielerin, Mohtaraf-Theater, Bagdad,  Irak
8. Fatma Jasm Robeyi, Schauspielerin, Mohtaraf-Theater, Bagdad,  Irak
9. Gabriele Schohl, Kulturmanagerin, Theaterhaus Mitte Berlin, Bundesrepublik Deutschland
10. Yasin Alnasayyir, Schriftsteller, Akad-Stiftung, Den Haag, Niederlande
11. Sehil Abdul Amir, Bühnen- und Kostümbildner,  Mohtaraf-Theater, Bagdad, Irak
12. Jamil Aziz, Schriftsteller, Bonn, Bundesrepublik Deutschland
13. Fahmi Balay, Bildender Künstler, Leiter des Kurdischen Kulturinstituts, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
14. Guhdar Bazaz, Bildender Künstler, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
15. Christoff Bleidt, Regisseur, Theaterhaus Mitte Berlin, Bundesrepublik Deutschland
16. Sirwan Jamal Faraj, Schauspieler, Den Haag, Niederlande
17. Salim Haji, Journalist, Herausgeber der Zeitschrift „Havibon“, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
18. Hazim Haji, Journalist, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
19. Aziz Khayon, Schauspieler, Mohtaraf-Theater, Baghdad,  Irak
20. Lokman Mahmoud, Musiker, Regisseur, Nürnberg, Bundesrepublik Deutschland
21. Mansour , Bildender Künstler, Vertreter von AKI, (Arabisches Kulturinstitut) Berlin, Bundesrepublik Deutschland
22. Soran I. Mohammad, Bühnenbildner, Den-Haag, Niederlande
23. Ihsan Othmann, Regisseur, I.O.-Theater Berlin, Bundesrepublik Deutschland
24. Mohsen Othmann, Schauspieler, Schriftsteller, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
25. Kamaran Raoof , Filmemacher und Schauspieler, Den-Haag, Niederlande
26. Shamaly Abe Rash,  Schauspieler, Niederlande
27. Thomas Roth, Regisseur, Berlin, Bundesrepublik Deutschland
28. Omar Towi, Schauspieler, Berlin, Bundesrepublik Deutschland