iraqi theatre at home and away

Amsterdam, 19. September 2006
“Lorcas Frauen”

Mit der Inszenierung “Lorcas Frauen” gastiert das Nationaltheater Bagdad auf Einladung des Berliner „Theaterhaus Mitte“ und des IO-Theaters am 17. September in Amsterdam. Das Stück basiert auf 5 Frauencharakteren aus verschiedenen Texten Federico Garcia Lorcas "Mariana Pineda", "Bluthochzeit", "Yerma", "Bernarda Albas Haus".

Bernada, die Hauptperson, Gewalt und Herrschaft darstellend, sperrt sich und andere Frauen in ein Haus ein. Sie herrscht über ihre Freiheiten und Gefühle. Es entstehen Konflikte und Auseinandersetzungen bis hin zu einem Mord... Die 4 widerständigen Frauen versuchen eine neue Definition der Begriffe Freiheit, Liebe und Frieden zu finden. Das Stück ist angelehnt an die aktuelle Situation irakischer Frauen in einem besetzten Land unter Terror und Gewalt und steht für alle Frauen, die täglich an Unterdrückung leiden. Die Inszenierung ist ein Aufschrei gegen Terrorismus und systematische Gewalt.
Obwohl Sicherheit in Bagdad kaum möglich ist, die Stromversorgung nur äußerst selten funktioniert und die Probenmöglichkeiten nur unzureichend sind, konnte diese Inszenierung mit Hilfe des Nationaltheaters und seiner Unterstützer realisiert werden.
Doch nicht nur diese Schwierigkeiten, sondern besonders auch die Probleme der religiösen und ethnischen Spaltungen, unter denen die die Menschen im Irak derzeit leiden , machte es für alle Beteiligten äußerst riskant, das Stück zu erarbeiten. Diese Problematik spiegelt sich gleichfalls im Stück wider.
Trotz all dieser Schwierigkeiten wurde „Lorcas Frauen“ bereits zweimal in Baghdad aufgeführt und erregte großes Aufsehen in den Medien.

Jetzt wird „Lorcas Frauen“ auf Einladung des IO-Theaters und des „Theaterhaus Mitte“, Berlin zunächst in Amsterdam und anschließend in Berlin zu sehen sein. Die Aufführung in Amsterdam am 17.September wird auf einer, besonders für die irakischen Gäste ungewöhnlichen Bühne stattfinden. Die „MS-Stubnitz“ ehemaliges Flagschiff der Fischereiflotte der DDR ist zu einem großen schwimmenden Kulturzentrum umgebaut worden. Auf den Decks und in den ehemaligen Kühlhallen der Unterdecks befinden sich neben einer mehrgeschossigen „Music-hall“ und Ton und Videostudios und Ausstellungsflächen auch ein Studiotheater. In den Sommermonaten besucht das Rostocker Kulturschiff die europäischen Hafenmetropolen und liegt voraussichtlich bis Oktober in Amsterdam. Die „MS Stubnitz“ ist seit 2004 Kooperationspartner des Theaterhauses
Die Aufführungen in Berlin werden im Rahmen des irakischen Kulturfestivals „Iraqi theatre at home and away“ im Tiyatrom stattfinden.

Lorcas Frauen
Eine Inszenierung des „Motharaf- Theaters“, Bagdad

Darstellerinnen: Ikbal N Salman (Yerma), Fatma Jasim Robeyi (Bernada), Awatif Naeem (Braut), Ibtesam M Aziz (Mariana), Shuaa DH Abdulla (Adila) Regie: Dr. Awatif Naeem Künstlerische Leitung: Aziz KH Ajil Bühne: Sehil Abdul Amir Kostüm: Imad Khafori

Zum Inhalt: Vier Frauen leiden unter Unterdrückung. Sie  sehnen sich nach Freiheit aber jede einzelne verkörpert ein anderes Symbol. Die erste Frau träumt davon ein Kind zu gebären, die zweite davon die Fahne der Freiheit hochzuhalten ,und die dritte träumt davon die Fesseln der gesellschaftlichen Zwänge zu sprengen um den Mann heiraten zu können den sie liebt. Die vierte träumt von einer Welt ohne Mauern. Sie alle stehen im Konflikt mit der fünften Frau; der „großen Macht“. Sie verkörpert die religiöse, gesellschaftliche und politische Gewalt.
Die Handlung des Stückes schlägt um als die erste Frau erfährt, dass der Mann, den sie gezwungenermaßen heiraten musste, zeugungsunfähig ist.
Die Unterdrückung führt zur Revolution- die Revolution führt zu Massakern und Terror und produziert sogleich eine neue Diktatur und neue Unterdrückung. Der Traum der Freiheit bleibt ein Gefangener.