2. Netzwerktreffen in Erbil, Suleymania und Dohuk, Juni 2007

Im Juni reisten Christoff Bleidt und Gabriele Schohl, Leiter bzw. Kulturmanagerin des „Theaterhaus Mitte“ gemeinsam mit dem Berliner Regisseur Ihsan Othman auf Einladung des nordirakischen Kulturministeriums und des Verbandes der Theaterschaffenden der Region Kurdistan nach Erbil.

Sie verständigten sich mit dem Kulturminister des Nordirak, mit den Dekanen und Dozenten der Kunsthochschulen Bagdad, Erbil, Suleymania und Dohuk sowie mit den Vertretern der Künstlerverbände, des Verbandes der Theaterschaffenden Kurdistans, dem Kurdischen Institut für schöne Künste und der Schriftstellervereinigung Kurdistans über die Fortsetzung des im vorigen Jahr begonnenen Austausches von Theaterschaffenden beider Länder. Auf der umfangreichen Agenda des einwöchigen Aufenthalts standen Besuche in den Städten Erbil, Suleymania und Dohuk. Außerdem besuchten die Gäste Theater, Veranstaltungszentren und Galerien und trafen sich zu Gesprächen mit Künstlern und Studenten. Der Besuch stellte einen Höhepunkt in der Arbeit des im vorigen Jahre durch das Theaterhaus Mitte, Förderband e.V. - Kulturinitiative Berlin, das I.O.Theater Berlin und das Mohtaraf-Theater aus Bagdad gegründeten „Netzwerkes zur Förderung des kulturellen Wiederaufbaus im Irak“ dar. Der Kulturminister, Falak-Addin Kakayee, hob hervor, dass der interkulturelle Austausch, insbesondere auch im Bereich des Theaters, eine sinnvolle und nachhaltige Investition in die Weiterentwicklung und Kräftigung einer offenen irakischen Gesellschaft sei.

Der Kulturminister, die Dekane der Hochschulen und die Vertreter der Verbände sagten den geplanten Austauschprojekten, wie der Präsentationen von irakischen Künstlern in Deutschland, gemeinsamen Theaterprojekten und einem jährlich in der Bundesrepublik stattfindenden Arbeits- und Studienaufenthalt für Studenten und Dozenten der Akademien und Kunsthochschulen aus dem Irak ihre Unterstützung zu. Sie betonten, dass sie eine Bedeutung für den gesamten Irak haben und die Beteiligung der Partner aus Bagdad und dem südlichen Irak ein entscheidender konzeptioneller Bestandteil sei. Yousif N. Akheel, der Dekan der Hochschule in Bagdad, übermittelte, dass das Kultusministerium in Bagdad den Austausch ebenfalls fördere. Bereits im April 2007 hatten Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Bundeskulturstiftung bei einem Arbeitstreffen mit den irakischen Partnern im Theaterhaus Mitte ihre Unterstützung für einen Austausch zugesagt.

Über die Erlebnisse des Besuchs sagt Christoff Bleidt:

„Wir sind sehr beeindruckt, von der Gastfreundschaft, von der Offenheit und von der positiven Energie, der wir bei unserem Besuch begegnet sind. Besonders das Engagement des Theatermannes und Parlamentariers Ahmed Salar hat uns sehr viele fruchtbare Begegnungen und Einsichten ermöglicht. Wir bekamen den Eindruck einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufbruchstimmung im Nordirak. Gleichzeitig haben wir verstanden, wie wichtig es ist, dass der Prozess der Normalisierung auch in Europa wahrgenommen wird, und dass diese Entwicklung durch Besuche, Austausch und Zusammenarbeit unterstützt wird. Wir haben uns bei unserem Aufenthalt und unseren Reisen in der kurdischen Region zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt.“

In einer einstündigen Fernsehsendung des Senders Zagros TV hatten die Gäste Gelegenheit, die Eindrücke und Erfahrungen ihres Besuches sowie die gemeinsamen Vorstellungen und Planungen darzustellen. Die Berliner Besucher betonten, dass sie den Austausch nicht als `Einbahnstraße´ verstehen, sondern eine Bereicherung für alle Beteiligten sehen. Sie zitierten aus der Präambel der Projektplanung: „Unter dem Begriff der irakischen Kultur verstehen wir die Gesamtheit der verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen des Irak und sehen diese Vielfalt als Reichtum eines modernen irakischen Staates."