Irakisch-deutsches Theatertreffen Berlin 2010

Das Netzwerk zum kulturellen Wiederaufbau im Irak zeigt vom 5. bis 8. Oktober 2010 im Tiyatrom und in der Werkstatt der Kulturen in Berlin sechs aktuelle Theaterproduktionen aus dem Irak.

In Kooperation mit Künstlern, Hochschulen und Kulturverantwortlichen aus Irak und Deutschland finden seit 2006 regelmäßig Arbeits- und Theatertreffen, Workshops und Hospitanzen in beiden Ländern statt. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist die künstlerische, technische und organisatorische Unterstützung beim kulturellen Wiederaufbau im Irak.

Beim diesjährigen Theatertreffen in Berlin werden von Regisseuren und Darstellern aus Bagdad und Erbil sechs verschiedensprachige Inszenierungen präsentiert. Auf kurdisch, arabisch und persisch widmen sich die irakischen Regisseure jeweils gesellschaftskritischen Themen, die das Land prägen.

Den Auftakt bilden zwei Monodramen. In Sie - die kommen wird spielt die Regisseurin und Schauspielerin Ikbal N. Salman eine Wäscherin, die vergeblich versucht, 40 Jahre Krieg und Diktatur aus den Gewändern der Menschen zu waschen, für die sie arbeitet. Die persische Inszenierung Frauen-Hammam, unter der Regie der Schauspielerin Kaval Haibat Sdqi Haji, beschreibt die gesellschaftliche Situation einer Ehefrau, die sich mit einer Zweitfrau konfrontiert sieht.

Die kurdische Inszenierung Gier des Regisseurs Al-Hamawandi Hiwa Younis stellt gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen in Frage.
Haitham Al-Jadah, Professor an der Hochschule der Künste in Bagdad, setzt sich in Demokratie im Orient - eine Krankheit mit „der gegenwärtigen politischen Situation“ auseinander. Knapp sechs Monate nach der Parlamentswahl ist die Bildung einer neuen Regierung immer noch in weiter Ferne.

Zehn Geschichten über den Krieg ist das Ergebnis eines unter der künstlerischen Leitung von Kai Tuchmann im Jahr 2009 durchgeführten einmonatigen Workshops in Erbil. Zehn SchauspielerInnen und RegisseurInnen aus dem Irak haben an Texten von Bertolt Brecht gearbeitet. Der Regisseur Ihsan Othmann setzt sich in der mehrsprachigen Tragikomödie Wir alle warten! mit der Hoffnung der von ethnischer Vielfalt geprägten Nation auf Erlösung aus dem Ausland auseinander. Die Erlösung kommt, sie muss aber mit dem Verlust der Würde bezahlt werden.

Zwei öffentliche Gesprächsrunden zu den Themen "Theater in Konfliktregionen" und "Kulturelle Verschiedenheiten und die Möglichkeiten des Theaters" sollen Theatermachern und einem interessierten Publikum Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch geben.
Im Anschluss an die Aufführungen werden die Gäste verschiedene Berliner Spielstätten und Schauspielschulen besuchen.

Im Theaterhaus Berlin Mitte wird vom 6. Oktober bis 17. Oktober 2010 die Ausstellung Deutschland, Kurdistan/Irak und zurück mit Fotografien von Eduardo Fernandez-Tenllado Ramminger und Ari Jalal zu sehen sein.

Veranstalter:
Netzwerk zum kulturellen Wiederaufbau im Irak: http://kulturaustausch.net/

Schirmherr: André Schmitz, Staatssekretär für kulturelle Angelegenheiten des Senats von Berlin

Das Projekt wird unterstützt und gefördert durch: Kulturministerium der Regionalregierung Kurdistan/Irak und Kulturministerium der Republik Irak, Gouvernement Bagdad, Hochschule der Künste Bagdad, iTi Germany, I.O. Theater Berlin, Theaterhaus Berlin Mitte, Förderband e.V., Kulturinitiative Berlin.
"Zehn Geschichten über den Krieg" wurde organisiert vom Goethe-Institut und finanziert vom Auswärtigen Amt im Rahmen des Deutsch-Arabischen Kulturdialogs "Hiwaruna".