Eindrücke der Schauspielerin Cornelia Werner - Ein Reisebericht

conny_09_web_0216Ende Juni rief mich mein Regisseur Ihsan Othmann aus dem Irak an und fragte mich, ob ich nicht wieder an einem Projekt im Irak mitwirken möchte. Bereits eine Woche später fuhr ich nach Erbil/Irakisch Kurdistan. Unsere Zusammenarbeit ist auf das Jahr 2009 zurückzuführen. Damals hatten wir gemeinsam an dem Stück "Frauen Hammam" gearbeitet, das in kurdischer und deutscher Sprache aufgeführt werden sollte. Diese Inszenierung wurde nun zusammengeführt. Wir hatten das große Glück, dass die renommierte Schauspielerin Iqbal Naeem vom National Theatre of Bagdad sich Zeit für unsere Zusammenarbeit nehmen konnt und einige Tage später in Erbil eintraf. Grundidee des Theaterstücks ist das Auseinandertreffen von drei weiblichen Figuren unterschiedlicher kultureller Herkunft, die in einem Raum auf einen Mann treffen, woraus sich eine außerordentliche Dynamik entwickelt. Am 14.07. sind alle Schauspielerinnen und Schauspieler für die Inszenierung "Wie lange sollen wir noch warten" vollzählig an einem Tisch versammelt. Iqbal Naeem gehört zur sehr erfahrenen, professionellen Generation irakischer, arabisch sprechender Schaupielerinnen, die auf die engagierte junge, kurdisch sprechende Schauspielerin Kaval Sdqi (siehe Foto) trifft. Die deutsche Schauspielerin Cornelia Werner und der Schauspieler Dr. Recardos nehmen ebenfalls an diesem Vorbereitungstreffen teil. Obschon der männliche Charakter im Mittelpunkt der Inszenierung steht, werden explizit die Schicksale der drei Frauen, ihre Beziehung zueinander und ihre Befreiung aus einer unglücklichen Situation verhandelt. Uns blieben zehn Tage, um die Texte neu zu erarbeiten, die drei Frauenfiguren und die männliche Figur auf der Bühne miteinander in Beziehung zu setzten, uns um Bühnentechnik und Bühnenbild zu bemühen, die Tänzerin Johanna Devi in das Stück einzufügen und die musikalische Begleitung von Christoph Knitt und Jörg Schneider zu erarbeiten. Eine Bereicherung bestand auch hier darin, menschliche und kulturelle Grenzen auszuloten und produktiv wirken zu lassen. Nach zehn Tagen intensiver Textarbeit und Proben wurde „Wie lange sollen wir noch Warten“ am 22.07. und 23.07.2011 erfolgreich in Erbil aufgeführt. Das kontroverse Thema des Stückes und die Besetzung fanden im Publikum großen Anklang.