Projektbeschreibung

Über ein Jahr lang haben Künstler aus Armenien, Deutschland, der Türkei und Frankreich versucht, unterschiedliche Perspektiven auf ein sensibles Thema zu einem gemeinsamen Theaterprojekt werden zu lassen. Der französischer Regisseur Bruno Freyssinet, die französisch-türkische Autorin Sedef Ecer und der französisch-armenische Schauspieler und Filmemacher Serge Avédikian haben dieses Theaterprojekt gemeinsam entwickelt. Das Ergebnis wurde am 21. Oktober 2011 in Erewan/Armenien uraufgeführt. 

2012 soll diese Theaterarbeit ebenso in Berlin, Istanbul und Paris gezeigt werden.


‘The Descendants’ (Die Nachkommen) - Eine armenisch-deutsch-französisch-türkische Theaterproduktion.


Das Stück beschreibt das Schicksal von Frauen aus drei Generationen im Wandel der Geschichte. Im Mittelpunkt steht die Erkundung ob und wie mit der Erfahrung des Genozids, mit den Verletzungen, den Tabuisierungen und der Schuld, die Frage nach Zukunft miteinander formuliert werden kann. Der Genozid an den Armeniern steht im Zentrum dieses Dialoges.

 In einem fremdartigen astrophysikalischen Observatorium versuchen Waisenkinder, die fern voneinander aufwuchsen, ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen. Sind sie Kinder von Tätern, von Opfern? Wie sollen sie weitergehen, wenn sie die eigene Geschichte nicht kennen? Und wie können sie weitergehen, wenn sie die Spuren der Vergangenheit ausgegraben haben? Was ist, wenn der beste Freund sich als Nachkomme der «Anderen» von damals erweist ? Warum muss man seine Identität den Schlachtfeldern vorhergegangener Generationen aussetzen?

In The Descendants’ (Die Nachkommen) lebt die Handlung von den Charakteren und ihren Erlebnissen. In einem nicht namentlich erwähnten Land erfährt die erste Generation die Tragödie des Genozids, die zweite hat die Last dieses Erbes zu tragen und die dritte möchte die Gegenwart durch die Vergangenheit verstehen lernen.

Acht Schauspieler/Innen spielen insgesamt zwanzig Charaktere. Sie bewegen sich in verschiedenen Zeitdimensionen, die sich durch eine narrative Erzählweise ineinanderfügen. Sie bewegen sich an unterschiedlichen Orten auf ein und derselben Bühne, die an ein astrophysisches Observatorium erinnern soll.

Über ein Jahr lang haben Künstler aus Armenien, Deutschland, der Türkei und Frankreich versucht, unterschiedliche Perspektiven auf ein sensibles Thema zu einem gemeinsamen Theaterprojekt werden zu lassen. Zum Entstehungsprozess des Stückes gehörten Workshops mit jungen Menschen sowie öffentliche Panels und Interviews in allen beteiligten Ländern. Die Erzählungen der Beteiligten als wichtige Quelle der Erinnerung und der Gegenwart wurden in das Stück integriert.

Regisseur, Autorin und Darsteller/Innen haben versucht, die zwangsläufig extrem unterschiedlichen Beziehungen zu diesem Thema in unzähligen Dialogen herauszuspüren und diesen Prozess zur Grundlage ihrer Arbeit werden zu lassen. Sie entwickelten in fünf verschiedenen Sprachen mit dem Text der Autorin Sedef Ecer und über ihn hinaus ihre Fragestellungen und Haltungen. Diese Theaterarbeit will keine Antworten geben, sondern versteht sich als "work in progress" ohne Absicht auf Vollendung.

Im Rahmen der Aufführungsphase wird das Thema in einem Forum kommentiert, diskutiert und dokumentiert. Die künstlerische Annäherung an die gesellschaftliche Fragestellung versucht Wege zu einem sensiblen fundierten und angemessenen Dialog zu öffnen.

Koproduktion mit dem Hamazgayin Theater (Armenien), Förderband e.V. Kulturinitiative Berlin (Deutschland), Deniz Tuney Ltd. und Anadolu Kültür (Türkei), gefördert durch die Europäische Kommission (Programm Kultur-Kooperation mit Drittländern), die Robert Bosch Stiftung, ENSATT, Jeune Théâtre National, Office-Franco Allemand pour la Jeunesse und SPEDIDAM.

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